Mittwoch, 14. Juli 2010

Gross, schön oder klug?


Genuahunde. Mit und ohne Kleider. Mit zunehmender Tropenhitze immer weniger Kleider an den armen Viechern, höchstens mal eine Schirmmütze! Sonnenbrillen habe ich noch keine entdeckt. Warum eigentlich nicht? Ich weiss, dass es sowas für Hunde gibt. Für findige Bastler täte sich hier noch ein weites Feld auf. Der obere Teil der Via 20 Settembre bildet eine schiefe Ebene. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, was passiert, wenn ein Mastiff an eine Säule oder, weil es eilt, direkt auf den Terrazzoboden pinkelt. Bei grösserem Andrang - oder sollte man eher Harndrang schreiben? - hüpft man also wie beim HimmelundHölle-Spiel breitbeinig mal links mal rechts der Bäche den Läden entlang. Mich grausts. Meine Kelly wäre in arge Nöte geraten. Sie konnte nur Wasser lassen, wenn unter ihr Gras oder Waldboden zu spüren war. Zur Not konnte man sie überreden wenigstens einen Strassengraben in Erwägung zu ziehen. Sie fehlt mir. Schon lange tot und hinterlässt noch immer eine Lücke. Den Kampfhund in der oberen Ecke habe ich bei meiner Suche nach einer Karte mit der Ausdehnung des assyrischen Reiches bei Google-Bilder gefunden. Etwa so gross stelle ich mir meinen nächsten Hund vor. Wieviel das Tier wohl täglich fressen muss? Ich fange mal an zu sparen, sonst geht es mir wie Sidi-Abdel-Assar, der sich die Verschleierte mit den schönen Augen nicht leisten konnte und eine billigere nehmen musste, die zwar nicht so schön, dafür aber klug war. Ob er da nicht das bessere Los gezogen hatte? Vielleicht sollte ich mir das mit dem grossen Hund noch einmal überlegen.

Mittwoch, 30. Juni 2010

Lasagne al forno

Lasagne ist so eine Art italienischer Soulfood. Wenn ich sie aus dem Ofen nehme, verbreitet sich der Duft in der ganzen Wohnung, mir läuft das Wasser im Mund zusammen und ich kann es kaum erwarten, bis alle ihre Portion auf dem Teller haben. Mit leicht wippendem Fuss ersehne ich das Ende des Tischgebets und dann, endlich kann ich meine Gabel füllen, sie zum Mund führen, mir den Gaumen verbrennen und trotzdem genüsslich das Resultat meiner eigenen Kochkunst auf der Zunge zergehen lassen. Nur Zia Dorina hat sie noch besser hinbekommen. Sie hat die Pasta selber zubereitet. Ich habe die frischen Teigplatten im Coop erstanden. Meine Gäste grummelten aber zufrieden vor sich hin. Eigentlich ist es sehr mutig, einem Italiener Lasagne vorzusetzen. Ihr Urteil könnte vernichtend sein. Ihre Vergleichsmöglichkeiten sind um vieles grösser als die der Schweizer. Wenn man die Götter (der Speisen) mit Opfergaben besänftigt, bevor man sich ihrem Urteil aussetzt, kann man aber Milde erhoffen. So wurden sie erst einmal beschwichtigt mit einem Teller voll frischer, grüner Feigenspalten, fein geschnittenem Rohschinken, schwarzem Pfeffer und ein paar Tropfen dreissigjährigem Aceto Balsamico di Modena. Obwohl nach der Lasagne kaum noch ein Hungergefühl zu verspüren sein konnte, genossen alle die Mascarponecrème mit echter Vanille und frischen Waldbeeren mit geschlossenenen Augen. Aah und Mmh bei jedem Löffelchen. Wir haben noch zwei Tage von den Resten gelebt. Ich habe immer noch Mühe damit, für wenige Personen zu kochen.